Es passiert nur ganz ganz ganz gelegentlich, aber an jedem Tag, an dem ich doch aus Versehen mal meine Kamera zu Hause liegen lasse, habe ich das Gefühl, mir entgehen direkt tausende Momentaufnahmen dieser Stadt. Deshalb ist das Kameravergessen auch tatsächlich viel viel schlimmer und tragischer als das Schlüssel- oder Handyvergessen für mich. Und passiert mir weitaus seltener.
Ein paar Momente, die mir nicht entgangen sind, kann ich euch also heute wieder zeigen. :)
Ich hab euch ja vor ein paar Tagen von meinem Wunschbaum im Friedrichshain erzählt ... Leute, ihr wisst garnicht, wie überwältigt ich bin!!! Am nächsten Abend war ich direkt wieder da, der Freund und ich haben nachts zu unserem ein-jährigen-zusammen-wohnen bei Kerzenschein im Park gepicknickt und dusselige Lichtmalerei Fotos mit Wunderkerzen gemacht, und da waren bereits alle meine am Tag zuvor gebastelten Tags verbraucht, alle mit zuckersüßen, ehrlichen, herzzerreißenden Wünschen vollgekritzelt und in den Baum gehängt. (Und wie respektvoll sie alle damit umgingen! Keine Sauerei auf den Tags, die Stifte alle fein säuberlich zurück in die Tasche für den nächsten Wunschaufschreiberling, ich bin völlig hin und weg.) Die Leute hatten sogar kreative Alternativen benutzt, und diese direkt auch in den Baum gehangen. Ein Stück Papier z.B. war zusammen gefaltet an einer Gänseblümchen Girlande eingehahgen worden, ein paar Pappteller wurden Zweckentfremdet, aber seht selbst:
Ich habe dann am nächsten Tag den Freund direkt zu einem weiteren Picknick an selber Stelle entführt und diesmal bei Tageslicht 50 neue Tags nachgefüllt - die ebenfalls wieder leer sind. Ich muss wieder ran. Also, ihr Lieben, wenn ihr ihn auch besuchen geht, seid doch so gut, und bringt ein paar an Wollfäden aufgefädelte Zettel mit ;)
Ich hab auf jeden Fall nun ein neues Hobby. Im Friedrichshain picknicken und Leuten beim Wünsche aufschreiben zugucken und dabei dieses riesige glückliche Gefühl im Herz fühlen. ♥
Etwas, wo ihr diesmal mitmachen könnt, hab ich euch versprochen. . .
Ich hab einen Baum im Friedrichshain zum Wunschbaum erklärt, ihn mit Pompoms geschmückt, einen Jutebeutel geschändet und Plastik eingenäht, lauter Tags gebastelt und Stifte aussortiert, Wunsch Baum drauf geschrieben und das ganze um den geeignetsten Baum in meinem Lieblingspark geschlungen.
Und jetzt könnt ihr ihn gerne alle besuchen gehen, und euch was wünschen! ^^ Ich hab schon mal den Anfang gemacht.
Wer ihn besuchen möchte, hier die Wünsche-Route:
Der Baum steht auf der rechten Wegseite, wenn ihr den Eingang rechts vom Spielplatz relativ vorne auf der Friedenstraße nimmt. Ich würde mich tierisch freuen, wenn ich bald neue Tags nachliefern müsste, und über jedes Foto von euch!! (Egal ob per Email oder bei Instagram mit hashtag #WunschbaumBerlin) Die würde ich dann sehr gerne hier gesammelt posten. ♥
Dank der lieben Inka von blickgewinkelt weiß ich ja endlich, wer das ist, der da die ganzen alten Männer in die Stadt pflanzt. JR heißt der französische Street Art Künstler, und seitdem Inka mir das verraten hat, bin ich eigentlich nur noch am googlen, am instagram surfen, und laufe durch die Stadt und suche sie mir alle zusammen und vor die Linse.
Ich mag Street Art total. Sehr sehr gerne, ich finde absolut, es ist die "neue" Kunst. Ein Kunst, in der man sich mitten drün fühlen kann, mit der Stadt als Leinwand und als Kommunikationsmittel, und JR's Wrinkles of the City Projekt beeindruckt mich schon ganz besonders. Ich finde, es spricht Bände über Berlin und seine Beziehung zur Street Art, dass JR so ohne Probleme diese riesigen Flächen mitten in der Stadt bekommt, öffentlich mit Gerüsten und Kameras benutzen darf, und somit dann alten geschichtsträchtigen Gebäuden diese alten, liebenswürdigen, und bedeutungsschwangeren Gesichter gibt. Portraits von alten Menschen, denen man das Leben ansieht. Ich finde es großartig.
Und: Bei meinem ersten Rundgang habe ich die beiden am Postbahnhof fotografiert, und war ganz traurig zu sehen, dass an dem Gebäude gebaut wird und die Fenster herausgenommen wurden, und somit dicke Teile des Stencils fehlten. Als ich heute aber wieder dort war, konnte ich zusehen, wie 2 Menschen auf einem Kran die fehlenden Stellen wieder drangekleistert haben - es wird sich also drum gekümmert! Das lob ich mir, Berlin. Du bist auch ein bisschen stolz auf deine schöne Street Art.
Ein paar Berliner JRs fehlen mir noch. Sein vielleicht berühmtestes Werk, die Kollaboration mit Blu (die beiden Figuren mit den Masken in der Curvystraße in Kreuzberg), gehört nicht zu diesem Projekt, ziert aber schon seit mehreren Ausgaben den Street Art Berlin in Katalog von Kai Jakob.
Wer mehr über das Wrinkles of the city Projekt erfahren möchte, schaut am besten mal hier unten rein, das ist ein sehr gutes Video über die Entstehung. Und wer die Gebäude, wie ich, alle mal abklappern möchte: hier findet ihr eine hervorragende Karte, auf der sie alle eingezeichnet sind.
Diese riesige, bunte, schräge Stadt ist schon wirklich richtig liebenswert. (Und wie cool sind bitte diese riesigen alten Stencil Männer, die plötzlich überall in der Stadt auftauchen?? Kann mir jemand verraten, wie der Künstler heißt?)